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Warum lügen wir alle und so oft?

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Sicherlich hast du dich schon einmal gefragt, warum wir lügen, nachdem du dich selbst beim Lügen erwischt hast. Und egal, wie sehr du die Situation analysierst, findest du keine kohärente Erklärung für die Lüge. Es scheint jedoch genauso schwierig zu sein, ständig die Wahrheit zu sagen.

Laut einer Studie der Universität Southampton lügt ein Mensch in einem nur zehnminütigen Gespräch im Durchschnitt drei Mal. Aber warum? Warum besteht das Bedürfnis, die Wahrheit zu verbergen?

Gründe, warum Menschen lügen

Man kann nicht leugnen, dass wir schon als Kinder lernen zu lügen. Wir lügen vor allem, um einer Bestrafung zu entgehen, also lügen wir automatisch, wenn wir mit bestimmten Situationen konfrontiert werden. Und manchmal müssen wir das, was wir gelernt haben, wieder verlernen, um neu zu lernen. Deshalb werden wir in diesem Artikel versuchen, uns bewusst zu machen, warum wir lügen. Denn nur wenn wir den Grund erkannt haben, können wir den Schritt wagen, ihn zu verlernen und eine andere, gesündere Art der Kommunikation zu erlernen.

Wir lügen aus Liebe

Eine Studie der Universität Amsterdam und der Ben-Gurion-Universität des Negev kam zu dem Schluss, dass Oxytocin, besser bekannt als das „Liebeshormon“, uns dazu anregt, zum Wohle der Gruppe zu lügen. 

Oxytocin ist für seine Rolle bei der Geburt bekannt, aber es hat auch andere Funktionen beim Menschen. Es fördert die Bindung und eine einfühlsamere Beziehung. Offenbar kann es dazu führen, dass wir die ethische Regel, die Wahrheit zu sagen, nicht einhalten. Mit anderen Worten: Wir geben der Liebe den Vorrang vor dem sozialen Anstand, wenn es unseren Liebsten zugute kommt.

Damit sei nicht gesagt, dass Lügen gerechtfertigt ist, denn Konsequenz, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit führen kurz- und langfristig sicherlich zu besseren Ergebnissen. 

In welchen Situationen lügen wir aus Liebe?

  • Weil wir die Gefühle eines anderen nicht verletzen wollen, vor allem wenn es sich um jemanden handelt, den wir lieben, respektieren oder bewundern: „Die Lasagne ist sehr lecker, ich würde mehr essen, wenn ich nicht satt wäre.“
  • Um andere nicht zu beunruhigen, was wir normalerweise als „Notlüge“bezeichnen. „Die Ergebnisse der Bluttests sind einwandfrei.“
  • Die Wahrheit zu sagen, könnte jemandem, den wir lieben, in irgendeiner Weise schaden, sei es wirtschaftlich, juristisch, sozial usw.

Wir lügen aus Angst

Angst ist ein Grundgefühl, das verleitet Dinge zu tun oder zu sagen und uns gleichzeitig lähmt. Und das treibt uns unter anderem auch zum Lügen. Damit wollen wir uns vor einer Strafe, einem Streit, einer Veränderung, komplizierten Situationen und sogar vor dem Tod bewahren.

Furcht vor einer Strafe

Indem wir lügen, vermeiden wir eine Bestrafung oder eine Auseinandersetzung, die wir in diesem Moment oder zu einem anderen Zeitpunkt nicht führen wollen. „Ich habe das Auto nicht zerkratzt.“ Die Wahrheit zu bekennen, kann bedeuten, dass man eine Zeit lang nicht mehr mit dem Auto fahren darf, oder dass man wegen seiner Nachlässigkeit oder Unachtsamkeit bestraft wird oder sich streitet. Die Angst vor Zurückweisung als Bestrafungspraxis kann dazu führen, dass man lügt oder bestimmte Meinungen oder Ideen zu einem Thema in der Familie nicht preisgibt. Z. B. das Bekenntnis zur eigenen politischen Ideologie in einer Familie mit völlig konträren und extremistischen Ideen.

Es gibt noch eine andere Art von Bestrafung, vor der wir bei Lügen zurückschrecken: Soziale Bestrafung, soziale Ablehnung oder Zurückweisung. Es kann sogar vorkommen, dass eine Person ihren Namen oder Nachnamen ändert, um nicht die fremdenfeindliche Ablehnung zu spüren, die das Leben in bestimmten Teilen der Welt mit sich bringt.

Angst vor dem Sterben

Es gibt durchaus Gründe, warum ein Mensch zum Tode verurteilt wird, wenn er die Wahrheit sagt. In Ländern mit radikal homophoben Gesetzen oder Ideologien kann die Offenlegung der eigenen sexuellen Identität mit dem Tod bestraft werden.

Wir lügen aus Bequemlichkeit

Manchmal lügen wir, weil auf die Wahrheit tausend Fragen gestellt werden, was sich zu einem endlosen Verhör entwickeln kann. Deshalb lügen wir, um nicht mehr Informationen preiszugeben oder über ein bestimmtes Ereignis zu sprechen. Wenn wir keine Lust auf Aktivitäten oder Veranstaltungen haben, ist vielleicht schneller und bequemer zu sagen, dass wir bereits etwas vor habe, anstatt such zu rechtfertigen.

Ebenso lügen wir, um keine persönlichen Informationen preiszugeben, die wir – aus welchen Gründen auch immer – geheim halten wollen. Weil wir diese Informationen nicht mit dieser oder diesen Personen teilen wollen und keine Lust haben, Fragen zu beantworten. Oder wir sind nicht selbstbewusst genug, um eine Antwort zu geben, die die Situation beruhigt und den Wunsch, in unsere Privatsphäre einzudringen, stillt.

Was ist Lügen um der Lüge willen?

Und nun das, was man als Lüge um der Lüge willen bezeichnen könnte: Mythomanie, auch bekannt als zwanghaftes Lügen. Hinter diesem Verhalten verbirgt sich ein geringes Selbstwertgefühl, das in der Regel seinen Ursprung in der Kindheit hat. Wie bereits erwähnt, lernen Kinder zu lügen, um einer Bestrafung zu entgehen, aber dies kann mit der Zeit verstärkt werden und zu einer mythomanischen Persönlichkeit führen.

Wir lügen weil wir bewundert werden wollen

Der Mythomane hat das Bedürfnis, von anderen bewundert zu werden oder sich von ihnen abzuheben, um das Gefühl zu haben, besser zu sein. Er übertreibt bei seinen Noten, erfindet eine Leistung oder eine nicht existierende Erfahrung. Sie erzählen die Anekdoten anderer Leute, als wären es ihre eigenen. Oder er eignet sich Gedanken oder Ideen von anderen an, vor allem von Menschen, die er bewundert. Siehe: Schüchternheit oder Ego?

Wir lügen, um ein anderes Bild von uns selbst zu zeigen.

Die Befriedigung der Lüge

Ein Zwangslügner erfindet Lügen, die eigentlich unwichtig sind und ihn gar nichts bringen. Dies löst einen Adrenalinstoß aus, nach dem er süchtig wird, die Befriedigung zu lügen und nicht erwischt zu werden. Man könnte das Lügen mit einem Extremsport vergleichen.

Lügen um jeden Preis

Ein zwanghafter Lügner stellt die Lüge über den Partner, den Arbeitsplatz, die Familie, etc. Er würde mit allen Mitteln verneinen, dass er gelogen hat und sich immer mehr in das Lügengespinn verwirren. Es werden unhaltbare Geschichten erfunden, koste es, was es wolle, um nicht einzugestehen, dass es eine Lüge um der Lüge willen war. Und sogar in der Absicht, eine andere Person zu verletzen oder ihr zu schaden.

Menschen, die alkohol- oder drogenabhängig sind, oder Menschen mit Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie, die unter Spielsucht, Narzissmus usw. leiden, werden oft zu Mythomanen. Sie lügen, um ihre Sucht oder ihr Problem zu verbergen, und erkennen es nicht. Kurzum, sie schaffen mit ihren Lügen eine völlig verzerrte Realität und manipulieren den sie nur können.

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